Ohrensausen, medizinisch als Tinnitus bezeichnet, ist ein Phänomen, das etwa 10-15% der deutschen Bevölkerung betrifft. Die quälenden Phantomgeräusche können das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Doch was genau passiert im Ohr, wenn wir Tinnitus wahrnehmen? Und vor allem: Was kann man dagegen tun?
Was ist Tinnitus?
Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Es beschreibt die Wahrnehmung von Geräuschen, die keine externe Schallquelle haben. Diese Geräusche können vielfältig sein: Pfeifen, Summen, Brummen, Zischen, Rauschen oder sogar musikalische Melodien.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Formen:
- Subjektiver Tinnitus: Das Geräusch ist nur für den Betroffenen hörbar (ca. 95% der Fälle)
- Objektiver Tinnitus: Das Geräusch kann auch vom Arzt mit speziellen Instrumenten wahrgenommen werden (selten)
Häufige Ursachen von Ohrensausen
Lärmschäden
Die häufigste Ursache für Tinnitus ist eine Schädigung der Haarzellen im Innenohr durch Lärm. Konzerte, Baustellenlärm, Schusswaffen oder sogar laute Musik über Kopfhörer können dauerhafte Schäden verursachen. Die Haarzellen im Innenohr sind nicht regenerationsfähig – einmal beschädigt, bleiben sie beschädigt.
Altersbedingter Hörverlust
Ab dem 60. Lebensjahr nimmt die Hörfähigkeit natürlich ab. Dieser Prozess, Presbyakusis genannt, geht oft mit Tinnitus einher, da das Gehirn die fehlenden Signale mit Phantomgeräuschen kompensiert.
Ohrenschmalz (Cerumen)
Eine oft übersehene, aber leicht behandelbare Ursache. Zu viel Ohrenschmalz kann den Gehörgang verstopfen und zu Reizungen führen, die Tinnitus auslösen. In diesem Fall hilft oft schon die professionelle Ohrreinigung beim HNO-Arzt.
Kreislaufprobleme
Durchblutungsstörungen im Innenohr können zu Tinnitus führen. Die empfindlichen Haarzellen benötigen eine konstante Versorgung mit sauerstoffreichem Blut. Bluthochdruck, Arteriosklerose oder andere kardiovaskuläre Probleme können diese Versorgung beeinträchtigen.
Stress und psychische Belastung
Stress ist ein significanter Tinnitus-Verstärker. Unter Stress verengen sich die Blutgefäße, was die Durchblutung des Innenohrs weiter verschlechtert. Zudem neigen gestresste Menschen dazu, mehr auf ihre Körpergeräusche zu achten, was den Tinnitus verstärkt wahrnehmen lässt.
Weitere mögliche Ursachen
- Ototoxische Medikamente (bestimmte Antibiotika, Chemotherapeutika, Aspirin in hoher Dosis)
- Morbus Menière
- Akustikusneurinom (gutartiger Tumor)
- Nacken- und Wirbelsäulenprobleme
- Zahn- und Kieferprobleme (CMD)
- Schilddrüsenunterfunktion
Symptome und Auswirkungen
Tinnitus äußert sich bei jedem Betroffenen anders. Die häufigsten Symptome sind:
- Pfeifende oder summende Geräusche
- Rauschen wie von Meereswellen
- Brummen oder Summen
- Klicken oder Klopfen
- Musikalischer Tinnitus (selten)
Diese Geräusche können konstant sein oder in Intervallen auftreten. Bei manchen Betroffenen ist der Tinnitus so leise, dass er nur in völliger Stille wahrnehmbar ist. Bei anderen ist er so laut, dass er die Lebensqualität stark beeinträchtigt.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Tinnitus sollte immer ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn:
- Der Tinnitus plötzlich auftritt
- Er nur auf einem Ohr wahrnehmbar ist
- Er von Hörverlust, Schwindel oder Übelkeit begleitet wird
- Er Ihren Schlaf oder Ihre Konzentration stark beeinträchtigt
- Sie unter Angstzuständen oder Depressionen leiden
Diagnose
Ein HNO-Arzt wird zunächst eine gründliche Anamnese durchführen und das Ohr mikroskopisch untersuchen. Weitere diagnostische Maßnahmen können umfassen:
- Hörtest (Audiometrie)
- Tympanometrie (Mittelohrfunktion)
- CT oder MRT (Bildgebung)
- Blutuntersuchungen
Behandlungsoptionen
Leider gibt es keine Heilung für Tinnitus. Es gibt jedoch verschiedene Strategien, um mit den Symptomen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern:
Medikamentöse Therapien
Bestimmte Antidepressiva und Antikonvulsiva können in manchen Fällen helfen, sind aber oft mit Nebenwirkungen verbunden. Nahrungsergänzungsmittel wie SonusZen bieten eine natürlichere Alternative.
Hörgeräte und Masker
Bei gleichzeitiger Hörminderung können Hörgeräte helfen. Tinnitus-Masker erzeugen ein sanftes Rauschen, das den Tinnitus überdeckt.
Verhaltenstherapie
Die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) und kognitive Verhaltenstherapie (KVT) helfen, die Wahrnehmung und Reaktion auf den Tinnitus zu verändern.
Fazit
Ohrensausen ist ein komplexes Symptom mit vielen möglichen Ursachen. Die Behandlung erfordert oft einen multimodalen Ansatz. Wenn Sie unter Tinnitus leiden, empfehlen wir zunächst die Abklärung durch einen Facharzt und dann die Kombination verschiedener Strategien – von Nahrungsergänzungsmitteln bis hin zu Entspannungstechniken.